Buchrezension: Zu Gast bei Freunden – 12 Geschichten und Rezepte aus Syrien

Wer behauptet, dass politische scharfe Themen nicht auch kulinarisch aufgearbeitet werden können, dem kann ich, seit ich dieses „Kochbuch“ gelesen habe, deutlich wiedersprechen.

Ja, Ihr habt Euch nicht verguckt, ich habe das „Kochbuch“ gelesen und zwar von vorne bis hinten. Deshalb steht die Bezeichnung „Kochbuch“ auch in Anführungszeichen, denn um Rezepte geht es nur zu 50 Prozent. Die andere Hälfte des Buches beschäftigt sich mit den kulinarischen Gepflogenheiten in Syrien und mit den Geschichten zwölf syrischer Flüchtlinge, die Asyl in Österreich beantragt haben.

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Informationen des Verlags zum Buch

Ausstattung: Broschur mit Klebebindung
Format: 22 x 22 cm
Umfang: 68 Seiten
Spende: EUR 12,– (oder mehr) zzgl. Versand

Aus dem Inhalt (Rezepte)

Shorba Ades …………………….. 20
Hummus …………………………. 24
Motebel …………………………… 28
Baba ganouj ……………………… 32
Tabbouleh ……………………….. 36
Fattoush ………………………….. 40
Warak anab ………………………. 44
Potato harra ……………………… 48
Falafel ……………………………… 52
Shish Tawook……………………. 56
Alaozzy ……………………………. 60
Riz B Haleeb…………………….. 64

Aus dem Inhalt (Aus dem Leben einiger Flüchtlinge)

Mohamad Almosleh …………… 19
Marwan Alousi………………….. 23
Diyar Daoud …………………….. 27
Jwan Joo Daod …………………. 31
Lukman Dekuri…………………. 35
Elia Gerges……………………….. 39
Heider Heider…………………… 43
Aram Kassem ……………………. 47
Emad Marshoud ……………….. 51
Siamand Jan Mohamad……….. 55
Ibrahim Ibo Sido ………………. 59
Abdulkader Sourani……………. 63

Aus dem Vorwort des Verlegers

„Kochbücher gehören meiner Meinung nach zu jener Art von Büchern, die dazu geeignet sind, die Welt wenigstens ein bisschen zu verbessern. […] Die Idee hinter diesem Projekt war es, das Kochen mit den Menschen zu verbinden. Deshalb sind in diesem Buch nicht nur Rezepte, sondern auch die dazugehörigen Menschen vertreten. […] Ich glaube aber, dass wir durch diese spannende Kombination der Geschichten einiger dieser aus ihrer Heimat Vertriebenen mit den hier veröffentlichten Rezepten etwas lernen können. […] Kochen fördert Gemeinsamkeit, stärkt das Miteinander – und macht auch noch einen Riesenspaß. […]“ 

Ich habe für Euch die leider einzige Süßspeise des Kochbuchs nachgekocht und enthalte Euch meine Erfahrungen natürlich nicht vor. Ein Bekannter Klassiker mit einer speziellen syrischen Note verfeinert.

Die Rezepte des „Kochbuchs“ sind insgesamt alle einfach und klar formuliert sowie gut nachzumachen. Die Schwierigkeit mag alsweilen allein darin liegen, einige der Zutaten aufzutreiben. So habe ich bisher z. B. nicht gewusst, dass es Orangenblütenwasser überhaupt gibt, geschweige denn, wo man es beschaffen kann. Auf meiner Suche bin ich in verschiedensten Geschäften gewesen. DM, EDEKA und Kaufland stellten sich als Sackgassen heraus, bei Discountern wie Lidl und Aldi braucht man bei so speziellen Zutaten denke ich garnicht erst fragen. Fündig wurde ich letztendlich bei der 4. Apotheke, die ich aufgesucht habe. Dabei sollte man darauf achten, dass das Orangenblütenwasser auch Lebensmittelqualität hat.

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Rezept: Arabischer Milchreis

Zutaten (4-6 Portionen)

  • 1,5 Liter Milch
  • 11 TL Zucker
  • 300g Reis
  • 2 TL Orangenblütenwasser
  • 3 TL Maisstärke
  • Pistazien und Kokosraspeln für die Dekoration


Zubereitung

  1. Milch, Zucker und Reis unter ständigem rühren auf kleiner Stufe ca. 15 Minuten köcheln lassen. (Der Reis muss weich werden, ggf. etwas länger köcheln lassen.)
  2. Orangenblütenwasser und Maisstärke hinzugeben und weitere 5 Minuten köcheln lassen. (Es sollte sich eine Konsistenz wie bei Joghurt ergeben. Wer es lieber fester mag gibt einfach noch etwas Maisstärke mehr hinzu [ich habe 5 TL genommen], wer es lieber flüssiger mag, entsprechend weniger.)
  3. Den Milchreis in hitzebeständige Dessertschälchen füllen, abkühlen lassen und mit Pistazien sowie Kokosraspeln verzieren.
  4. Kalt servieren und genießen!

Der Milchreis war wirklich sehr lecker. Da bei uns keiner Pistazien mag, haben wir diese durch den deutschen Klassiker Zimt und Zucker ersetzt.

Das Orangenblütenwasser hat man nur sehr leicht heraus geschmeckt. Vielleicht ist die Konzentration hier in Deutschland auch einfach eine andere, so dass man es für sich selber testen sollte, wieviele Teelöffel man nimmt.

Meine Meinung zum Buch

Zu Gast bei Freunden ist ein „Kochbuch“, dass es ohne die politischen Verwerfungen in Syrien sowie die gesellschaftlich und politisch scharf diskutierten Flüchtlingsbewegungen, die uns hier in Deutschland, Österreich und ganz Europa beschäftigen, sicher in dieser Form nicht geben würde.

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Ich persönlich stehe dem Thema und seinen Facetten ebenfalls sehr Zwiegespalten gegenüber. Den Ansatz Flüchtlinge und Europäer durch ein „Kochbuch“ zusammen an einen Tisch zu bringen finde ich jedoch einfach und klasse, also einfach klasse!

Auch wenn die zwölf Rezepte die hier präsentiert werden nicht genug Abwechslung für 1001 Nacht bieten und die Schiksale der Menschen hinter den Rezepten nicht so zauberhaft sind, so regt das Buch definitiv dazu an, sich mit der syrischen Küche und den dahinter stehenden Menschen zu beschäftigen.

Rezepte und Lebenskurzgeschichten der  beteiligten Flüchtlinge wechseln sich ab. Auf je einer Doppelseite werden dem Leser die Rezepte und Hintergründe in Bild und Text näher gebracht.

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Ich werde mich definitiv noch an den verschiedenen deftigen Gerichten versuchen. Gerade bei den Gewürzen bzw. exotischen Zutaten sollte jedoch jeder selber austesten, wieviel für ihn hinein gehört, dass es schmeckt.

Wichtig: Plant genügend Zeit ein, die richtigen Zutaten zu besorgen, denn, wie ihr lesen konntet, ist selbst so etwas einfaches wie Milchreis nicht mal eben nachzukochen.

Ich spreche gerne eine Kaufempfehlung für dieses Buch aus. Einmal wegen der Rezepte aber mehr noch wegen dem, wie ich finde, tollen Umgang mit den Flüchtlingen und dem Guten Zweck, der dahinter steht.

Das Buch kann gegen eine Spende über www.editionesspapier.at erworben werden. Der Spendenerlös kommt dem Sozialfonds für Flüchtlingshilfe der Gemeinde Bad Fischau-Brunn (Bürgermeister Reinhard Knobloch Sozialfonds) zugute.

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